Prinzipien und Entscheidungen
Hier findest Du die wichtigsten Entscheidungen, die das System geprägt haben, jeweils mit einer kurzen Begründung. Wenn Du eine davon vertiefen willst, führt der Link am Ende des Absatzes ins jeweilige Kapitel, in dem die Entscheidung ausführlich erklärt ist.
Verarbeitung und Pipeline
Polling statt IMAP IDLE: Die IDLE-Erweiterung braucht eine offene TCP-Verbindung pro Postfach plus eine Reconnect-Logik, die bei jedem Netzwerk-Schluckauf nachbessern muss. Wenn das System stattdessen alle 30 Sekunden den Mailserver aktiv abfragt, kommen pro Minute zwei Roundtrips zustande, der zugehörige Code liegt bei rund 50 Zeilen, und ein Neustart bringt nichts durcheinander. Sobald später mehrere Postfächer parallel verarbeitet werden, kann sich IDLE wieder lohnen, im Einzelpostfach reicht das einfache Polling. Details in Abholen.
Erst speichern, dann als gelesen markieren: Bricht das System zwischen Abruf und Speicherung ab, bleibt die Email auf dem Server unangetastet und wird beim nächsten Lauf erneut geholt. In der umgekehrten Reihenfolge gäbe es Mails, die das System einmal gesehen, aber nie verarbeitet hat, und solche Lücken tauchen erst dann auf, wenn ein Empfänger nachfragt, warum er keine Antwort bekommt. Details in Abholen.
INBOX und Sent parallel auslesen: Wer in seinem gewohnten Mail-Client antwortet, schickt diese Antwort nicht durch das System, sondern direkt an den Empfänger; die Kopie landet im Sent-Ordner. Liest die Pipeline nur die INBOX, hat jeder Thread Lücken, weil das System weiß, dass jemand gefragt hat und später erneut gefragt hat, aber nicht, was zwischendurch geantwortet wurde. Details in Abholen.
Regelvorfilter vor LLM-Klassifikation: Monitoring-Mails kommen mit immer derselben From-Adresse, immer im gleichen Format, immer mit gleicher Aussage. Sie einzeln durch ein Sprachmodell zu schicken kostet pro Nachricht mehrere Sekunden Rechenzeit, ohne dass etwas Neues herauskommt. Eine Regel vergleicht die Absenderadresse und ist fertig; das Sprachmodell bekommt nur die Mails, bei denen Sprachverständnis wirklich gebraucht wird. Details in Vorfilter.
Sprachmodell für die unklaren Fälle: Echte Posteingänge sind zu vielfältig für Regeln. Eine Beschwerde zu einer Lieferung kann genauso aussehen wie eine Frage zur Lieferung; der Unterschied steckt im Ton, in der Wortwahl und in Subtexten, die kein regulärer Ausdruck einfängt. An genau dieser Stelle verallgemeinert ein Sprachmodell, weil es Bedeutung statt Buchstaben sieht. Details in Klassifikation.
Aktionsmatrix als eigene Schicht: Kategorie und Konfidenz allein sagen noch nicht, was passieren soll. Eine Beschwerde mit Konfidenz 0.6 darf nicht im Auto-Entwurf landen, eine Bestellung mit Konfidenz 0.95 schon. Diese Verbindungsregel gehört weder in den Klassifikator noch in den Versand, sondern als eigene Entscheidungs-Schicht zwischen beide. Details in Aktionsmatrix.